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Die Azoospermie, also das Fehlen sowohl reifer als auch unreifer Spermien, ist bei Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch nicht selten.
Zeigt das Spermiogramm nur sehr wenige oder gar keine Spermien, lassen sich unter Umständen reife, befruchtungsfähige Spermien im Nebenhoden oder in den Hoden des Mannes finden. Mit einem kleinen ambulanten Eingriff beim Mann kann der Urologe auf verschiedene Weise Spermien gewinnen:

  • MESA – Mikrochirurgische Spermienaspiration aus dem Nebenhoden
    Bei einem vollständigen Verschluss der Samenwege finden sich bei der Ejakulation keine Spermien in der Samenflüssigkeit. In diesem Fall müssen die Spermien aus dem Nebenhoden gewonnen werden. In örtlicher Betäubung wird der Nebenhoden unter dem Operationsmikroskop mit einer kleinen „Butterfly“-Nadel punktiert, und die dort gespeicherten Spermien werden abgesaugt. Da mit dieser Methode nur wenige Spermien gewonnen werden, wird in der Regel die intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) angewendet, um die Befruchtung der Eizellen sicherzustellen.
  • TESE – Spermiengewinnung durch offene Biopsie kleiner Gewebestücke aus den Hoden
    Werden im Nebenhoden keine Spermien gefunden, werden kleine Stücke Hodengewebe entnommen (Hodenbiopsie). Dieses Gewebe wird mit speziellen Nährmedien versetzt, und so werden die Spermien isoliert, die sich in den Samenkanälchen des Hodengewebes befinden. Meist sind diese Spermien halbreif, befruchten die Eizellen mit der ICSI aber wirksam.

Mit diesen Techniken lassen sich in bis zu 75 % der Fälle Spermien finden.

Die Kombination dieser Methoden mit der ICSI ergibt hohe Befruchtungs- und Schwangerschaftsraten, selbst in Fällen, die bisher als aussichtslos galten. Die Schwangerschaftsrate liegt zwischen 38 und 52 %.

Die kleinen Biopsien werden meist mithilfe eines Operationsmikroskops aus verschiedenen Bereichen der Hoden entnommen, um die Erfolgsaussichten zu erhöhen. Werden Spermien gefunden, werden sie in flüssigem Stickstoff bei −196 °C eingefroren, und ein Teil davon wird in einem zweiten Schritt aufgetaut, wenn bei der Frau nach der Auslösung des Eisprungs die Eizellentnahme erfolgt. Auf diese Weise (Kryo-TESE) bleibt der Frau eine unnötige Behandlung erspart, falls keine Spermien gefunden werden.

  • Weitere Methoden der Spermiengewinnung
    • a. Masturbation. Bei Männern, in deren Samenflüssigkeit Spermien nachweisbar sind, wird das Sperma in der Regel in einem sterilen Gefäß (Urinbecher) aufgefangen; wichtig ist eine sexuelle Enthaltsamkeit von 3–5 Tagen vor der Untersuchung.
    • b. Elektrostimulation. Wenn eine Nervenverletzung dazu führt, dass es nicht zum Samenerguss kommt, kann dem Mann mit der Elektrostimulation geholfen werden. Eine kleine Sonde wird in den After eingeführt und reizt die Nervenenden, die zum Samenerguss führen. Diese Methode muss in Narkose erfolgen, da sie schmerzhaft ist. Eine Ausnahme ist die Tetraplegie, bei der in diesem Bereich keine Empfindung besteht.

Medizinische Inhalte vom Team der Fertility Clinic

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